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14.11.2009
Anlässlich des Gaesdoncker Stiftungstages 2009 zelebrierte Bischof em. Dr. Franz Kamphaus den Gottesdienst in der Klosterkirche des Collegium Augustinianum Gaesdonck. |
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Liebe alten und jungen Gaesdoncker, liebe Geschwister im Glauben! Es ist eine Binsenweisheit: Ein Fisch kann im Wasser nicht untergehen, er ist in seinem Element. Ein Vogel kann in der Luft nicht abstürzen, er ist getragen von dem, was ihn umgibt. Er ist in seinem Element. Und der Mensch? Wann ist der Mensch in seinem Element? Nie so, wie in der Liebe! Wer sich geliebt weiß, wer vertrauen erfährt, der kann dem Leben trauen, der kann sich trauen. Das Geheimnis aller Pädagogik! Er kann sich trauen, er weiß sich getragen von dem, was ihn umgibt. Er kann sich frei entfalten, wie ein Fisch im Wasser, wie ein Vogel in der Luft, er ist in seinem Element. Kein Mensch kommt auf die Welt ohne die unbändige Sehnsucht, in der Liebe eines anderen Menschen zu erfahren, dass er erwünscht und bejaht ist. Wenn er das erfährt, durch alles Bejaht-sein unter uns sozusagen hindurch, zielt das auf die Aussage hin, die wir eben in der Lesung gehört haben: Gott ist die Liebe. Wer der Liebe Gottes glauben kann, der ist in seinem Element. Der Angelpunkt des Christseins. Descartes hat am Anfang der Neuzeit den Menschen in dem bekannten Satz definiert: Cogito ergo sum, Ich denke, darum bin ich. Christen sagen, bei allem Respekt vor dem Kopf, das Entscheidende ist, dass ich geliebt bin: Amor ergo sum. Augustinus. Dies hat er in die Kirchen- und Theologiegeschichte eingebracht. Unser Collegium Augustinianum Gaesdonck. Amor ergo sum, ich bin geliebt, darum bin ich. Der Anfang des Christseins und sein Angelpunkt ist nicht ein kategorischer Imperativ, Du musst!, du sollst!, sondern der kategorische Indikativ: Du bist geliebt!, Du bist von Gott geliebt, darum bist du. Das Fundament der Christen- und Menschenwürde. Hat das etwas mit unserem Leben zu tun oder sind das nur fromme Sätze, die wir uns hier zusprechen, aus dem neuen Testament und damit hat es sich? Es gibt eine schöne Fabel. Sie spricht vom Zweifel und handelt von zwei Vögeln. Die sind in der Luft, wo den sonst. Nur der eine, völlig untypisch, der liegt auf dem Rücken und hat seine Beine in den Himmel gestreckt. Da kommt der andere Vogel vorbei und sagt: Was ist den mit dir los? Warum liegst du denn auf dem Rücken? Warum hast du die Beine so starr in den Himmel gestreckt? Ja, sagt der, ganz bedeutungsvoll, ich muss mit meinen Beinen den Himmel tragen! Ziehe ich sie ein, stürzt der Himmel zusammen. Sagt's und es kommt ein Windstoß durch den Baum. Ein Blatt löst sich und fällt raschelnd zu Boden. Der Vogel erschrickt, zieht so schnell er kann seine Beine an, dreht sich um und fliegt weg. Der Himmel aber bleibt an seinen Ort. Man könnte lachen über den Vogel, der buchstäblich einen Vogel hat, der sich so wichtig nimmt, dass er meint, er müsse den Himmel tragen und beim ersten Windstoß und Rascheln ist er auf und davon. Man könnte lachen über ihn, wenn es nicht so ernst wäre. Denn hier an dieser Stelle entscheidet sich es: Zwischen Glaube und Unglaube. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ich dessen Gewiss sein darf, dass der Himmel trägt. Oder ob ich mir einbilde, ich müsse den Himmel tragen. Die ganze Neuzeit ist durch immer neue Versuche gekennzeichnet, den Himmel selbst in die Hand zu nehmen. Dann muss man ihn auch tragen! Ob wir uns damit nicht gewaltig übernehmen? Dann greifen wir schließlich nach den Sternen und wollen den Himmel stürmen. Und fallen auf einmal aus allen Wolken. Das haben wir erlebt im letzten Jahrhundert, braun und rot. Dann verspricht man paradiesische Verhältnisse und landet schließlich in der Hölle des Totalitarismus. Wissen, dass der Himmel trägt. Wer der Liebe Gottes glauben kann. Er hat uns zuerst geliebt. Wer der Liebe Gottes glauben kann, wer gewiss ist, dass der Himmel trägt und dem vertraut, der hat den Rücken frei. Und Kopf und Herz, und Hand und Fuß. Er ist dort, wo der Hungernde auf Brot wartet und der Obdachlose auf ein Zuhause. Er ist dort, wo Verzweifelte auf Hoffnung warten. Wer weiß, dass der Himmel trägt, der ist in seinem Element. Wir haben nicht mehr die Zeit, nur die Abfälle der Christentumsgeschichte zu bejammern und anzuklagen. Und die ganzen Kalamitäten der gegenwärtigen Kirchensituation aneinanderzureihen. Das kann man leicht machen. Aber die kommende Generation wird uns fragen, ob wir ein Erbe für sie haben. Werden wir sie um Gott betrügen? Wissen, dass der Himmel trägt. Gott ist die Liebe! Wer dessen Gewiss sein kann, der ist frei und kann sich frei entfalten. Wie ein Fisch im Wasser, wie ein Vogel in der Luft. Er ist in seinem Element. Amen. |
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